Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche
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Bedford-Strohm räumt Fehler beim Umgang mit Missbrauch ein

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Fehler im Umgang mit der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt eingeräumt. „Auf jeden Fall habe ich das Gefühl, wir haben es nicht immer richtig gemacht“, sagte er.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verwies dabei auf mangelndes Vertrauen in die von den Kirchen eingesetzten Gremien. Manche der Betroffenen hätten nicht das Vertrauen, „dass die Kirche energisch aufklärt“, sagt er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Dies gelte „trotz aller ehrlichen Bemühungen“.

Man habe verkannt, dass die Kommissionen, die erlittenes Unrecht anerkennen und finanzielle Leistungen auszahlen, mit anderen Strukturen ergänzt werden müssten, sagte der bayerische Landesbischof. Diese müssten die institutionelle Aufarbeitung stärker in den Blick nehmen. „Wenn wir ihr Vertrauen nicht haben und auch nicht gewinnen können, müssen wir Hilfe von Menschen von außen annehmen“, sagte Bedford-Strohm.

Er unterstrich, dass die Kirche aus diesen Fehlern gelernt und Konsequenzen gezogen habe. „Wir sind jedenfalls bereit, alles offenzulegen, was rechtlich offengelegt werden kann“, sagte er und ergänzte: „Niemand hat ein Interesse an Vertuschung. Im Gegenteil: Wir wollen selbst über diese schrecklichen Dinge in unserer Kirche Bescheid wissen.“

Es sei jedes Mal wieder „unfassbar, wenn ich Betroffenen gegenübersitze und höre, was ihnen angetan worden ist“, sagte der 61-Jährige, der sich im November vom Amt des Ratsvorsitzenden zurückzieht. Nach seinen Worten lernt die Kirche aus der Kritik betroffener am Aufarbeitungsprozess. „Dazu gehört auch anzuerkennen, dass die Situationen und Erwartungen der Betroffenen sehr unterschiedlich sind.“

Im Mai hatte die EKD das vorläufige Aus des Betroffenenbeirats bekanntgegeben, der die Aufarbeitung in der evangelischen Kirche kritisch begleiten sollte. Grund waren nach Angaben der EKD und von Betroffenen Rücktritte aus dem zwölfköpfigen Gremium, interne Konflikte und Dissens zwischen dem Betroffenenbeirat und dem Gegenüber auf EKD-Seite, dem Beauftragtenrat.

Bedford-Strohm unterstrich, dass der Beirat nicht aufgelöst, sondern ausgesetzt worden sei. Nach seinen Worten soll im Rahmen einer externen Expertise zusammen mit den Mitgliedern des Beirats „eine bessere Struktur gefunden werden“. Dabei gehe es um eine Neuausrichtung der Betroffenenpartizipation, sagte er. „In der Zwischenzeit bieten wir den Beiratsmitgliedern an, einzeln oder in Gruppen durch Stellungnahmen ihre Perspektive in laufende Entscheidungsprozesse oder auch die Synode einzubringen.“

(ala/epd)



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