Jochen Breyers Aussage zum Thema „Spielermaterial“ hat Diskussionen ausgelöst. Dabei hat er einen prominenten Vorgänger, der sich vor acht Jahren ähnlich geäußert hatte. Der 2014er-Weltmeister Per Mertesacker hat sich für die Verwendung des Begriffes „Spielermaterial“ bei der EM-Übertragung des ZDF eine kleine Ermahnung von Moderator Jochen Breyer eingehandelt. Damit löste der Journalist rund um das Vorrundenspiel von Spanien gegen Italien (1:0) am Donnerstagabend eine Debatte auf der Plattform X aus. Mertesacker erwähnte in seiner Analyse vor der Partie, dass die Spanier einen veränderten Stil hätten, „weil sie auch nicht mehr so das Spielermaterial haben, jetzt nur auf Ballbesitz zu gehen“. Darauf sagte Breyer an Mertesacker und Christoph Kramer , dem zweiten ZDF-Experten in der Runde, gerichtet: „Spielermaterial – weil ihr beide den Begriff öfter verwendet. Ich weiß, das wird bei einigen Fans zu Hause kritisch gesehen, weil Menschen kein Material sind. Vielleicht sagen wir einfach in Zukunft Kader oder das Spielerpotenzial.“ Die beiden Weltmeister von 2014 schauten sich an, schmunzelten und antworteten: „Okay.“ Breyer bezieht Stellung Bei X diskutierten User, inwiefern dieses Einschreiten Breyers gerechtfertigt gewesen sei. Eine Jury aus sechs Sprachwissenschaftlern hatte im Jahr 2000 das ähnliche Wort „Menschenmaterial“ als Unwort des 20. Jahrhunderts gewählt, da dieses aus ihrer Sicht für eine Tendenz stehe, „Menschen nur noch nach ihrem ‚Materialwert‘ einzuschätzen“. Auf X schaltete sich Breyer am Freitagnachmittag selbst in die Debatte ein: „Leute, ganz kurz zum Wort des Tages Spielermaterial. Niemand hat irgendjemandem was verboten. Ich habe nur das kritische Feedback, das bei dem Begriff oft kommt, an unsere Runde, weitergegeben. Wir reden vor der Kamera so offen wie hinter der Kamera, das ist unser Prinzip“, schrieb der ZDF-Moderator. Pál Dárdai äußerte sich ähnlich wie Breyer – vor acht Jahren Dabei ist Breyer bei weitem nicht der Erste, dem das Wort Spielermaterial missfällt. Vor etwas mehr als acht Jahren, im April 2016, hatte TV-Moderator Thomas Wagner bei Sky das Wort gegenüber Hertha-Trainer Pál Dárdai erwähnt. Dieser redete sich daraufhin, noch angefasst nach einer 0:3 Halbfinalpleite im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund , in Rage. Wagner wollte damals nach Abpfiff über das Spielermaterial beider Mannschaften sprechen. „Schnelligkeit ist besser. Nicht Material. Material ist so ein komisches Wort“, reagierte der Hertha-Trainer damals schnippisch. Dárdai hatte die Formulierung als Respektlosigkeit gegenüber ihm und seiner Mannschaft aufgefasst. „Meine Spieler sind nicht Material“, wiederholte er, während Wagner betonte, dass „Spielermaterial“ ja ein „gängiges Wort“ sei. Wagner, der während der EM 2024 für MagentaTV aus dem DFB-Quartier in Herzogenaurach berichtet, erinnert sich noch gut an das Gespräch. „Dárdai war damals stinksauer nach der Niederlage. Ich war ein wenig überrascht, wie angefasst er war“, berichtet der heute 52-Jährige im Gespräch mit t-online. „Im Rückblick stehe ich nach wie vor dazu, ihn so befragt zu haben, habe aber in der Folge respektiert, dass es Trainer und Menschen gibt, die dieses Wort als herabsetzend bewerten. Darum habe ich es in der Zukunft auch nicht mehr benutzt.“